Fellow Espresso Series 1 im Test: Was sie kann, was sie nicht kann und für wen sie sich lohnt

Fellow Espresso Series 1 im Test: Was sie kann, was sie nicht kann und für wen sie sich lohnt

Die Fellow Espresso Series 1 ist die erste Siebträgermaschine von Fellow. Und sie hat in den letzten Monaten mehr Diskussionen ausgelöst als die meisten Maschinen in dieser Preisklasse.

Wir haben sie im Showroom stehen, wir arbeiten damit, und wir verkaufen sie. Trotzdem ist das hier kein Werbetext. Wir haben uns durch die Reviews der einschlägigen Fachmedien, durch Reddit-Threads, durch Home-Barista und durch das deutsche Kaffee-Netz gelesen. Was dabei rauskommt, ist ein ziemlich klares Bild: eine Maschine mit echten Stärken und ein paar Schwächen, über die man reden sollte, bevor man 1.399 Euro ausgibt.

Kurz vorab: Was ist die Series 1 überhaupt?

Fellow kennt man von Wasserkochern, Mühlen und zuletzt vom Aiden Filterkaffeebereiter. Die Series 1 ist der Sprung in die Siebträgerwelt...eine Espressomaschine mit 58-mm-Siebträger, beheizter Brühgruppe, programmierbaren Druckprofilen, App-Anbindung und einem Dampfsystem, das laut so ziemlich jedem Tester deutlich über dem liegt, was man in dieser Preisklasse erwartet.

Der Punkt, um den sich alles dreht: Fellow verkauft hier Features, die sonst erst ab 2.500 bis 3.000 Euro anfangen. Zu einem Preis, der weit darunter liegt. Die Frage ist, wo dafür gespart wurde.

Die Specs im Überblick

Merkmal Fellow Espresso Series 1
Bauart Einkreiser mit "Boosted Boiler", drei unabhängige Heizelemente (Durchlauferhitzer, Boiler, beheizte Brühgruppe aus Messing)
Siebträger 58 mm, bodenlos, mit Holz- oder Aluminiumgriff
Pumpe / Druck 15-bar-Pumpe, kalibriert auf bis zu 9 bar Extraktionsdruck
Druckprofile Voreingestellt (z.B. klassisch mit 9 bar, Handhebel-Profil) und frei programmierbar
Temperatursteuerung PID, gradgenau einstellbar
Aufheizzeit unter 2 Minuten
Dampf Kugelgelenk-Lanze, Temperatursteuerung bis 150 °C, Milchsorten-Voreinstellungen (Kuhmilch, Hafer, Soja, Mandel)
Wassertank 2,0 Liter, von oben entnehmbar
Maße (B × T × H) 31,5 × 43,8 × 27,9 cm
Gewicht ca. 9,8 kg
Leistung 1.700 Watt (EU-Version)
Konnektivität WLAN, Fellow-App, Software-Updates
Materialien Edelstahl, Messing, Silikon, lebensmittelechter Kunststoff, Holzakzente je nach Farbvariante
Farben Black, Cherry Red mit Walnuss, Sesame mit Ahorn, Woodland mit Walnuss
Garantie 2 Jahre
Lieferumfang bodenloser Siebträger, Tamper, Ein- und Doppelwand-Siebe, Milchkännchen, Reinigungswerkzeug, Blindsieb, Wasserhärte-Teststreifen, Entkalker
Preis bei uns 1.299 € (Black), Farbvarianten auf Anfrage

Was die Maschine technisch wirklich anders macht

Das Heizkonzept

Fellow nennt es "Boosted Boiler". Dahinter stecken drei Heizelemente, die unabhängig voneinander arbeiten: ein Durchlauferhitzer, ein kleiner Boiler und eine aktiv beheizte Messing-Brühgruppe. Das Ergebnis ist der Grund, warum die Maschine in unter zwei Minuten einsatzbereit ist und trotzdem eine stabile Brühtemperatur hält.

Ehrlichkeitshalber: In der Enthusiasten-Szene wird darauf hingewiesen, dass das Grundprinzip der Thermojet-Technik ähnelt, die Breville seit Jahren einsetzt. Das ist keine Erfindung von Fellow. Die Kombination mit der beheizten Brühgruppe und der Sensorik drumherum ist aber gut umgesetzt, und in der Praxis merkt man den Unterschied zu einer klassischen Thermoblock-Maschine deutlich.

Ein Hinweis aus unserer eigenen Erfahrung: Die zwei Minuten reichen für den ersten Espresso nicht ganz. Nach 5-6 Minuten haben wir sehr gute Espressi getrunken. Wer wirklich konstante Ergebnisse über mehrere Shots will, lässt die Maschine trotzdem zehn Minuten stehen.

Die Druckprofile

Hier wird es interessant. Du kannst den Druckverlauf über die Extraktion hinweg steuern. Klassisch 9 bar für den geraden, kräftigen Shot. Ein Lever-Profil, das eine Handhebelmaschine nachbildet, also mit hohem Anfangsdruck und langsamem Abfall. Oder eigene Profile mit Preinfusion, Rampe und Abfall.

Das ist die Funktion, die sonst bei Maschinen jenseits der 2.500 Euro anfängt. Für helle Röstungen macht das einen spürbaren Unterschied: weniger Kanalbildung, mehr Süße, weniger Schärfe.

Der Dampf

Der Punkt, bei dem sich alle Tester einig sind. Die Dampfleistung ist für diese Preisklasse außergewöhnlich. Trockener Dampf, sofort da, genug Power für Latte Art ohne Kampf.

Dazu kommt der Steam-Assist-Modus: Du wählst die Milchsorte, die Maschine zieht die Zieltemperatur nach und stoppt automatisch. Für alle, die Hafermilch aufschäumen und sich wundern, warum sie nie so schmeckt wie im Café, ist das ein echter Gewinn.
Der assistierte Modus hilft Anfängern total. Wir sind aber der Meinung, dass du diesen nach einem Workshop bei uns nicht mehr benötigst ;)

Shot Feedback

Nach jedem Bezug sagt dir die Maschine, ob du gröber oder feiner mahlen solltest. Kein Ersatz für eine gute Mühle und Übung, aber für Einsteiger die vielleicht sinnvollste Funktion im ganzen Gerät. Sie verkürzt die Phase, in der man lange schlechten Espresso trinkt und nicht weiß, warum.

Was kritisiert wird ... und was davon stimmt

Jetzt der Teil, den du in den meisten Shop-Beschreibungen nicht findest.

Kunststoff an sichtbaren Stellen

Das ist die häufigste Kritik, quer durch alle Quellen. Im Kaffee-Netz wird der "hochwertige Kunststoff" kontrovers diskutiert.

Unsere Einschätzung: Die Kritik ist berechtigt, wenn du von einer E61-Maschine mit Vollmetallgehäuse kommst. Sie ist überzogen, wenn man den Preis einrechnet. Fellow hat bewusst an Materialien gespart, um das Geld in Heiztechnik und Steuerung zu stecken. Ob sie dir passt, hängt davon ab, ob du die Maschine anschauen oder benutzen willst.

Das Gewicht

Mit knapp zehn Kilo ist die Series 1 leicht für ihre Klasse. Beim Einspannen des Siebträgers bewegt sie sich sichtbar, wenn du nicht gegenhältst. Kein Defekt, aber ein Gefühl, das man von schwereren Maschinen anders kennt.

Das Display ohne Zurück-Taste

Die runde LCD-Anzeige wird über ein Drehrad bedient, und es gibt keinen Zurück-Button. Wer sich verklickt, scrollt zurück. Wer ein Profil benennen will, scrollt durch das gesamte Alphabet.
Ja, das nervt.
Praktischer Ausweg: Die meisten Einstellungen gehen über die App. Im Alltag drehst du am Rad eigentlich nur noch selten.

Die App ist noch nicht fertig

Mehrere Tester beschreiben die App zurückhaltend. Funktionen, die angekündigt waren, kamen erst nach und nach per Update. Wer die App als Hauptargument kauft, kauft auf Versprechen.

Volumetrik will kalibriert werden

Die volumetrische Steuerung, also der automatische Stopp bei einer Zielmenge, stoppt ab Werk gerne zu früh. Das lässt sich kalibrieren, muss man aber wissen. Wir machen das bei Maschinen die ihr bei uns kauft und vor Ort abholt gerne mit euch.

Die Tiefe

Knapp 44 cm Tiefe sind mehr, als viele Küchenzeilen unter dem Hängeschrank hergeben. Dazu kommt: Der Wassertank wird nach oben entnommen. Wenn über der Maschine ein Schrank hängt, wird das eng. Vor dem Kauf ausmessen.

Erste Generation

Die frühen Chargen hatten Software-Bugs und vereinzelt Hardware-Probleme. Auf Reddit finden sich beides: Berichte über Ausfälle und Berichte über einen Support, der schnell und unkompliziert reagiert. Fellow hat nachgebessert, aber eine Erstgeneration bleibt eine Erstgeneration. Wer das Risiko nicht mag, wartet auf Version zwei.

Wie sie sich im Wettbewerb schlägt

Fellow Series 1 Lelit MaraX Rancilio Silvia Pro X Sage Dual Boiler
Preisniveau (Stand September 2026) ca. 1.300 € ca. 1.000 bis 1.200 € ab ca. 1.500 € ca. 1.200 bis 1.500 €
Bauart Einkreiser, drei Heizelemente Wärmetauscher, E61 Dualboiler Dualboiler
Aufheizzeit 2 Min. ca. 20 bis 25 Min. ca. 5 Min. ca. 3 Min.
Druckprofile ja, frei programmierbar nein nein eingeschränkt (Preinfusion)
Espresso und Dampf gleichzeitig nein ja ja ja
Gehäuse Edelstahl mit Kunststoffanteilen Edelstahl Edelstahl Edelstahl
App / Updates ja nein nein nein
Stärke Flexibilität, Dampf, Bedienung Temperaturstabilität, Langlebigkeit Robustheit, Reparierbarkeit Alles-in-einem-Komfort

Die Tabelle zeigt den eigentlichen Punkt: Die Series 1 konkurriert nicht wirklich mit den typischen Maschinen ihrer Liga. Sie spielt ein anderes Spiel. Wer eine Maschine will, die in zwanzig Jahren mit einem neuen Kessel noch läuft, kauft eine Lelit oder eine Rancilio. Wer Kontrolle über die Extraktion will, ohne dafür in die Decent-Preisklasse zu gehen, findet aktuell kaum eine Alternative zur Series 1.

Für wen die Maschine passt

Ja, wenn du von einem Vollautomaten oder einer Einsteiger-Siebträgermaschine kommst und wirklich lernen willst, was in der Tasse passiert. Die Kombination aus Shot Feedback, Profilen und Dampf-Assistenz ist die beste Lernumgebung, die wir in dieser Preisklasse kennen.

Ja, wenn du helle Röstungen trinkst. Die Temperatur- und Druckkontrolle holt aus hellen Röstungen im Espresso deutlich mehr raus.

Ja, wenn die Maschine schnell verfügbar sein muss. 2-6 Minuten Aufheizzeit sind für alle relevant, die morgens nicht 25 Minuten vorplanen wollen.

Nein, wenn du regelmäßig für mehrere Leute gleichzeitig Milchgetränke machst. Espresso und Dampf laufen nicht parallel, und bei sechs Cappuccino hintereinander merkst du das.

Nein, wenn dir Vollmetall und mechanische Wertigkeit wichtiger sind als Funktionsumfang.

Nein, wenn du keine Lust auf Software hast. Updates, App, WLAN...das gehört hier dazu.

Fazit: Warum sie für den Preis eine Empfehlung ist

Die Fellow Espresso Series 1 macht einen Kompromiss, und sie macht ihn transparent. Sie spart bei Material und Haptik. Sie investiert in Heiztechnik, Druckkontrolle, Dampf und Bedienbarkeit.

Das ist für die viele Anwender der richtige Kompromiss. Denn die Qualität in der Tasse hängt an Temperaturstabilität, Druckverlauf und Mahlgut, nicht am Gewicht des Gehäuses. Und in genau diesen drei Punkten liefert die Series 1 auf einem Niveau, für das man sonst deutlich mehr bezahlt.

Bei 1.299 Euro inklusive bodenlosem Siebträger, Tamper, Sieben und Milchkännchen ist der Gegenwert schwer zu schlagen. Wer die gleichen Funktionen bei einer klassischen Maschine sucht, landet schnell beim Doppelten.

Eine Einschränkung bleibt: Es ist die erste Maschine von Fellow. Wenn dich das nervös macht, ist das ein legitimes Argument. Wenn du damit leben kannst, bekommst du gerade eine der interessantesten Maschinen im Markt.

Und der ehrlichste Satz zum Schluss, den man in fast jedem Reddit-Thread findet: Die Maschine macht keinen guten Espresso. Du machst guten Espresso. Die Maschine nimmt dir nur die Ausreden.

Warum du sie bei uns kaufst

Der Preis

Wir verkaufen die Series 1 im September für 1.299€. Die UVP liegt bei 1.399€. Wir haben im September 2026 die Angebote der deutschen Händler durchgesehen und keines gefunden, das günstiger ist... die meisten liegen zwischen 1.399 und 1.499€. 

Der Barista-Kurs ist dabei

Bei jeder Series 1, die du bei uns kaufst, liegt ein Platz in unserem Barista-Workshop in Mannheim dabei (Wert 109 €). Das ist kein Bonus, den wir drangehängt haben, damit die Produktseite voller aussieht.

Der Grund ist einfach: Das Handling dieser Maschine muss man lernen. Sie kann viel, und genau das ist die Falle. Wer ohne Basis anfängt, schraubt an Druckprofilen herum, bevor der Mahlgrad sitzt, und wundert sich, warum der Espresso trotzdem nicht schmeckt. Dann ist die Frustration groß.

Uns ist wichtig, dass du mit einer fundierten Basis startest. Erst Mahlgrad, Verteilung und Tampen. Dann Milch. Dann die Profile. In der Reihenfolge. An der Maschine, mit frischen Kaffeebohnen, mit deinen Fragen.

Dazu kalibrieren wir die Maschine bei der Übergabe.

Du willst sie vorher anfassen? Komm im Showroom vorbei, wir ziehen dir einen Shot. Hier geht es zur Maschine.

Häufige Fragen

Ist in der Fellow Espresso Series 1 ein Mahlwerk eingebaut?

Nein. Die Series 1 ist eine reine Espressomaschine. Du brauchst eine separate Espressomühle mit feiner, stufenloser Verstellung. Das ist bei Siebträgermaschinen dieser Klasse Standard und in der Praxis auch besser so, weil du Mühle und Maschine unabhängig voneinander aufrüsten kannst.

Kann die Series 1 gleichzeitig Espresso beziehen und Milch aufschäumen?

Nein. Sie wechselt sehr schnell zwischen den Modi, echter Parallelbetrieb wie bei einem Dualboiler ist aber nicht möglich. Für ein bis zwei Milchgetränke am Stück fällt das kaum auf, bei größeren Runden schon.

Wie lange braucht die Maschine zum Aufheizen?

Fellow gibt unter zwei Minuten an. Nach unserer Erfahrung schmeckt der Espresso nach fünf bis sechs Minuten deutlich besser. Für gleichbleibende Ergebnisse über mehrere Shots empfehlen wir rund zehn Minuten Vorlaufzeit.

Wie viel Platz brauche ich?

Rechne mit 31,5 cm Breite und 43,8 cm Tiefe. Die Höhe liegt bei 27,9 cm, du brauchst darüber aber zusätzlich Platz, weil der Wassertank nach oben entnommen wird. Unter Hängeschränken vorher messen.

Funktioniert die Maschine ohne App und WLAN?

Ja. Alle Kernfunktionen laufen über das Display am Gerät. Die App erweitert die Einstellmöglichkeiten und liefert Software-Updates, ist aber keine Voraussetzung für den Betrieb.

Welche Garantie gibt es?

Fellow gibt zwei Jahre Garantie. Bei Kauf über uns hast du zusätzlich einen Ansprechpartner in Mannheim, statt nur eine Support-Mailadresse.

Ist der Barista-Workshop wirklich im Preis enthalten?

Ja. Bei jedem Kauf einer Series 1 über uns ist ein Workshop-Platz in Mannheim enthalten, Wert 109 €. Ohne Aufpreis. Wir finden, dass zu einer Maschine mit diesem Funktionsumfang eine solide Grundlage gehört.

Lohnt sich die Series 1 gegenüber einer gebrauchten Maschine?

Kommt drauf an, was du willst. Eine gebrauchte E61-Maschine ist mechanisch langlebiger und oft günstiger. Druckprofile, gradgenaue Temperatursteuerung, Dampf-Assistenz und Shot Feedback bekommst du dort nicht. Wer basteln will, kauft gebraucht. Wer lernen und steuern will, kauft die Series 1.

 

 

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