Specialty Coffee vs. Supermarktkaffee: Was ist wirklich der Unterschied?
In fast jedem unserer Workshops gibt es diesen Moment: Wir bereiten verschiedene Espressi zu, jemand nimmt einen Schluck, schaut irritiert in die Tasse und sagt: „Das schmeckt ja gar nicht wie Kaffee.“
Gemeint ist das meist als Kompliment. Da ist plötzlich Frucht in der Tasse, manchmal Schokolade, manchmal etwas, das entfernt an Beeren erinnert. Und die Bitterkeit, die viele für den Eigengeschmack von Kaffee halten, fehlt einfach. Was ist da passiert? Kurz gesagt: Specialty Coffee. Und weil der Begriff gern nach Snobismus oder einem einfach Verkaufsargument klingt, räumen wir mal auf.
Was Specialty Coffee eigentlich bedeutet
Hinter dem Wort steckt keine Marketing-Erfindung, sondern ein messbares Qualitätsniveau. Ausgebildete Verkoster, sogenannte Q-Grader, bewerten Kaffees nach einem festen Schema: Aroma, Säure, Körper, Balance, Fehlerfreiheit. Ab 80 von 100 Punkten darf sich ein Kaffee Specialty nennen. Das klingt bürokratischer, als es ist. Übersetzt heißt es einfach: Dieser Kaffee wurde vom Anbau bis zur Röstung so sorgfältig behandelt, dass man es schmeckt.
Warum der Kaffee im Supermarkt so billig sein kann
Die unbequemere Frage ist ja eigentlich die andere: Wie kann ein halbes Kilo Kaffee 4,99 € kosten?
Kaffee wächst nicht in Deutschland. Er wird auf der anderen Seite der Welt angebaut, gepflückt, aufbereitet, verschifft und geröstet. Ziemlich viele Menschen arbeiten an so einer Packung. Große Mengen aus vielen Herkünften werden zusammengemischt, damit es immer gleich schmeckt. Geröstet wird dunkel und schnell. Auch weil eine kräftige Röstung Fehler im Rohkaffee zuverlässig übertönt. Und gespart wird dort, wo am wenigsten Widerstand kommt: ganz am Anfang der Kette, bei den Menschen, die den Kaffee anbauen.
Specialty Coffee dreht diese Kalkulation um. Reife Kirschen statt Massenernte, rückverfolgbare Herkunft, kleine frische Röstchargen und ordentliche Preise für die Produzenten. Das kostet mehr. Es ist aber auch mehr wert, und zwar für alle Beteiligten.
Und was ist mit Arabica und Robusta?
Auf vielen Supermarktpackungen steht groß „100 % Arabica“. Das klingt gut, sagt aber wenig. Arabica ist eine Kaffeeart, Robusta aber auch. Robusta kommt mit mehr Koffein und kräftigerem Ton. Beide Sorten gibt es in jeder Qualität, von wunderbar bis lieblos. Entscheidender als die Sorte ist, wie sorgfältig angebaut, aufbereitet und geröstet wurde. Das Etikett verrät dir das nicht.
Woran du guten Kaffee erkennst
Dreh die Packung um. Das ist der schnellste Test im Laden:
• Steht ein Röstdatum drauf? Gute Röstereien sind stolz darauf. Ein Mindesthaltbarkeitsdatum irgendwo in ferner Zukunft ersetzt es nicht.
• Steht die Herkunft drauf? Land, Region, vielleicht sogar die Farm? Oder nur „Spitzenmischung“ und weitere Floskeln und Anekdoten?
• Ganze Bohnen statt gemahlen. Gemahlener Kaffee verliert sein Aroma in Minuten, nicht in Monaten. Und in der Tasse? Klarere Aromen statt einem diffusen Kaffeegeschmack. Mehr natürliche Süße. Weniger von der Bitterkeit, die man mit Zucker und Milch bekämpfen muss.
Der einfache Test
Brüh deinen gewohnten Kaffee und einen frisch gerösteten Specialty nebeneinander. Gleiche Methode, gleiche Menge. Du brauchst dafür keine geschulte Zunge, denn der Unterschied erklärt sich beim ersten Schluck von selbst. Ob du danach zurück willst, können wir dir nicht versprechen. Da sind wir allerdings auch etwas voreingenommen. :) Falls du den Vergleich lieber mit Anleitung machst: In unserem Barista Workshop in Mannheim verkosten wir gemeinsam drei bis vier verschiedene Bohnen. Da schmeckst du den Unterschied direkt nebeneinander, und wir erklären dir, woher er kommt.